Architecture Exhibitions International

Tschechisches Zentrum Berlin

Bohuslav Fuchs
Ein Pionier der modernen Architektur

Sep 14–Oct 12, 2017
Bohuslav Fuchs © Tschechisches Zentrum Berlin

Als Visionär, Architekt, Stadtplaner und Theoretiker machte Bohuslav Fuchs die Stadt Brünn zu einem Ort der modernen Architektur. Wieso sein Werk so einmalig und inspirierend ist, erklären zwölf tschechische und slowakische Architekten unserer Zeit, die ausgewählte funktionalistische Bauten von Bohuslav Fuchs kommentieren – beispielsweise das Café Zeman als eines seiner ersten realisierten Projekte, das ikonische Hotel Avion, die monumentale Trauerhalle auf dem Brünner Zentralfriedhof oder das weitläufige Stadtbad Zábrdovice. Die eleganten einfachen Linien und die Betonung der architektonischen Details werden mit ergänzenden technischen Dokumentationen, historischen Fotografien und aktuellen Fotos vom heutigen Zustand der Bauten belegt.

Der anerkannte tschechische Architekturhistoriker Vladimír Šlapeta würdigt das Werk von Fuchs mit den folgenden Worten: „Seine in Böhmen, Mähren und auch in der Slowakei realisierten Bauten bilden in der gesamten Zeit der Ersten Republik im wahrsten Sinne Meilensteine, die die Entwicklung unserer modernen Architektur säumen – vom Wasserkraftwerk in Háj u Mohelnice, der Trauerhalle der Stadt Brünn, über den Pavillon der Stad Brünn, das Hotel AVION, das eigene Haus, das Brünner Stadtbad in Zábrdovice, das Masaryk-Schülerheim, den Schulkomplex VESNA, die Sparkassen, das Sanatorium Morava, die aerodynamischen Villen bis hin zum organisch gestimmten [Thermalbad] „Grüner Frosch“ und dem Ausklang im Firmengelände AKA und dem Hotel Vlčina.“

Für seine Geistesverwandten hielt Bohuslav Fuchs die Bewegung De Stijl, den Kreis um das Bauhaus und den Funktionalismus der Vereinigung für moderne Architektur CIAM, mit deren Gründer Le Corbusier Bohuslav Fuchs in persönlichem Kontakt stand. Seine Karriere begann der Architekt mit einem Studium an der Prager Akademie der bildenden Künste bei Jan Kotěra, in dessen Atelier er später auch arbeitete. 1922 ließ sich Fuchs dauerhaft in Brünn nieder, wo er ab 1923 als Angestellter des Stadtbauamtes tätig war.

1929 erschien eine erste Monografie von ihm im schweizerischen Basel, unmittelbar darauf stellte er Entwürfe in Stockholm, Wien und Berlin aus. Drei Jahre später war Fuchs in der legendären Ausstellung  The International Style des New Yorker Museum of Modern Art vertreten, die den Funktionalismus in der amerikanischen Architektur-Szene einführte. Seine Bauten wurden gleich darauf in das Typologie-Lehrbuch „Bauentwurfslehre“ des Bauhaus-Absolventen Ernst Neufert aufgenommen, das weltweit mehrere Jahrzehnte lang für den Unterricht genutzt wurde.

In den Jahren 1938 bis 1940 hatte Fuchs eine Professur an der Kunstgewerbeschule in Zlín inne, in der Zeit von 1945 bis 1958 war er als Pädagoge an der Tschechischen technischen Hochschule in Brünn tätig, wo er 1947 zum Professor berufen wurde. Bohuslav Fuchs war Mitglied in einer ganzen Reihe von internationalen Berufsvereinigungen, beispielsweise im Künstlerverein Mánes, er war korrespondierendes Mitglied des Royal Institute of British Architects in London, ständiger Delegierter des CIAM und Ehrenvorsitzender der International Federation for Housing and Planning, Den Haag. 1968 erhielt er den tschechischen Ehrentitel Nationalkünstler. Die politische Nachkriegsentwicklung hatte zur Folge, dass das Werk von Bohuslav Fuchs ein unvollendetes Fragment blieb.

Dank seiner Tätigkeit erfuhr  der Architekt schon zu Lebzeiten viel Anerkennung im Ausland, in seiner Heimat wurde er seit Ende der 1940er Jahre allmählich aus öffentlichen Ausschreibungen verdrängt, nur einzelne seiner Entwürfe konnten realisiert werden. Ende der 1950er Jahre musste er auch seine Lehrtätigkeit aufgeben.

Viele seiner Bauten sind heute in einem sehr schlechten Zustand oder wurden unsensibel restauriert. Die Ausstellung „Bohuslav Fuchs – Ein Pionier der modernen Architektur“ wurde nicht nur geplant, um an den 120. Geburtstag von Bohuslav Fuchs im Jahr 2015 zu erinnern, sondern gerade auch, um auf diesen beunruhigenden Zustand eines großen Architekturerbes hinzuweisen.