Architecture Exhibitions International

Architekturschaufenster e.V. Karlsruhe

Kunst und/im/am Bau
Maurice van Tellingen

Oct 20–Nov 13, 2020
© M. v. Tellingen

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt – frei nach Astrid Lindgren. Oder ist es andersherum?
Wir schaffen uns eine Außenhülle aus Gegenständen, Objekten und Architektur, in und mit denen wir existieren. Ohne diese wäre unser alltägliches Leben, Überleben nicht möglich.
Womit umgeben wir uns? Was für eine „Außenhaut“ umgibt uns? Wie prägt sie uns?
Die reliefartigen Modelle des niederländischen Künstlers Maurice van Tellingen lassen uns – Guckkasten ähnlich – auf Ausschnitte ganz alltäglicher Szenerien blicken. Ein Garagentor, der Gehweg, zweckmäßigste Interieurs, ganz so, wie sie uns an jeder Ecke begegnen könnten, ganz so, wie wir sie dutzendfach tagein, tagaus übersehen.
Unsere Umgebung spiegelt, wer wir sind, sagt van Tellingen. In seinen Objekten spürt der Künstler der conditio humana nach – wir sind, wie, womit und worin wir leben. Seine Modelle sind menschenleer, die menschliche Gegenwart ist jedoch stets inhärent. Die faszinierend detailreich gearbeiteten Objekte wirken nüchtern und sachlich, und doch scheint die Stimmung auf der Kippe zu stehen, ist eine Anspannung zu spüren, eine unheimliche, fast trostlose Wirkung entfaltet sich. Welche Geschichte lauert hinter dem leicht geöffneten Garagentor, wer hat die Spuren auf dem Gehsteig hinterlassen, was ist passiert in den Innenräumen?
Zugleich fordern van Tellingens Objekte die perspektivische Wahrnehmung heraus.  Wie sehen wir Räume „richtig“, wie sehr lassen wir uns von der gewohnten Blickrichtung leiten?

Maurice van Tellingen | lebt und arbeitet in Amsterdam. Studium an der Rietveld Academy for visual arts, Amsterdam, und der Rijks Academy for visual arts, Amsterdam. Zahlreiche Solo- und Gruppenausstellungen u.a. in den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Österreich.

Kunst und/im/am Bau
Warum machen Architekten Kunst? Warum setzen sich bildende Künstler mit Architektur auseinander? Wie schafft man Kunst am Bau, wie entstehen ortsspezifische Kunstwerke?
In der Ausstellungsreihe Kunst und/im/am Bau werden ausgewählte zeitgenössische „architektur-künstlerische“ Positionen präsentiert, in Gruppen- ebenso wie in Einzelausstellungen. Themen sind dabei Kunstwerke, die sich mit architektonischen Fragestellungen beschäftigen, aber auch Arbeiten, die sich direkt mit Architektur-Situationen auseinandersetzen – Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum.
Mit den Mitteln der Kunst kann die Aufmerksamkeit aus einer anderen Perspektive auf Architektur, Baukultur und ihre vielfältigen Einflüsse gelenkt werden. Eine künstlerische Herangehensweise eröffnet mehr Freiheiten in der Auseinandersetzung mit der Architektur, als es klassische akademische Methoden ermöglichen, und ermutigt so zum Denken „off the beaten tracks” – für Fachleute und Laien gleichermaßen. Ohne sich mit Fragen der Funktionalität und Realisierbarkeit aufhalten zu müssen, kann die künstlerische Perspektive frei reflektieren und beobachten, sie kann kritische Statements machen und auf Missstände hinweisen, sie kann visionäre Ideen entwickeln und Spielraum für Kreativität und Ideen bieten.