Circular Construction

Material Loops
Adresse
Blumenstrasse 22, 80331 München
Öffnungszeiten
Mo–Fr 9–19.00 Uhr, Sa 9–18.00 Uhr

„Zirkuläres Bauen“ durch Wiederverwenden, Austauschen, Leasen, Reparieren, Renovieren von Materialien und damit verbundene Energiekreisläufe sind oft zitierte und propagierte Methoden in der Bauwirtschaft. Angewendet werden diese Strategien doch nur selten. Zu sehr dominieren Vorbehalte und gesetzliche Beschränkungen. Doch es gibt sie die positiven Beispiele, die beweisen – es geht!

CIRCULAR CONSTRUCTION – von der Verschwendung zur Verwendung
Die aktuellen Materialengpässe und enormen Kostensteigerungen von Baustoffen machen drastisch deutlich, wie verschwenderisch wir mit den knappen Ressourcen umgehen. Eine Wiederverwendung von Materialien aus nicht mehr genutzten Gebäuden war lange Zeit selbstverständliche Praxis, gleichzeitig sind natürliche Materialien wie Stein, Lehm oder Holz durch Verfall wieder in den Stoffkreislauf zurückgekehrt. Die Komplexität neuartiger (Kunststoff-) Materialien und deren Verbindungen, lassen eine sortenreine Trennung oder Rückführung in den Materialkreislauf nicht mehr zu - bei Abbruch oder Umbau entsteht tonnenweise Sondermüll, der auf die Deponien und in die Umwelt gelangt. Durch die Herstellung und Transport von Baumaterialien und den Betrieb von Gebäuden gerät die Baubranche zunehmend als Klimakiller in Verruf. Sie steht für 60% des weltweiten Materialverbrauchs, 50% des Massenmüllaufkommens, etwa 40% der globalen CO2 Emissionen und des Energieverbrauchs. Allein mit 20% des Kunststoffverbrauchs ist der Bausektor aktuell nach dem Verpackungssektor der zweitgrößte Kunststoffverbraucher weltweit. Seit geraumer Zeit arbeiten Wissenschaftler und Ingenieure an Methoden zur Wiederverwertung von Materialen und fordern ein radikales Umdenken vom aktuellen linearen Wirtschaftssystem zu einer „Circular Economy“, einer Kreislaufwirtschaft der Rohstoffe. Begriffe wie „Harvesting“ und „Urban Mining“ verdeutlichen welche Ressourcenschätze in unseren Bestandsgebäuden liegen und welche Chancen für nachhaltige Prozesse und Modelle sich daraus eröffnen.

Die Anliegen für eine nachhaltige, klimaschonende Kreislaufwirtschaft und Stadtentwicklung sind inzwischen auch von Politik und Gesellschaft formuliert. Die Vereinten Nationen haben die „Sustainable Development Goals“ beschlossen und die „Circular Economy“ erhält von der Kommissionspräsidentin der EU Ursula von der Leyen oberste Priorität und steht auf der Agenda des 2020 gegründeten New European Bauhauses: „Die Kreislaufwirtschaft, einschließlich neuer Abfall- und Recyclinggesetze, wird die Hälfte der Bemühungen der EU ausmachen, bis 2050 Netto-Null-Kohlenstoffemissionen zu erreichen“. Jetzt sind neue gesetzliche Regelungen und Rahmenbedingungen, das Überdenken von Standards und sofortiges Handeln notwendig, um nicht immer weiter zu verschwenden, sondern zu verwenden!

Die Berliner Kuratorin Sally Below, Beate Engelhorn vom Haus der Architektur Graz und Nicola Borgmann von der Architekturgalerie München begannen 2019 eine Zusammenarbeit, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft und zukunftsfähigen Stadtentwicklung zu fördern. Die Ausstellung CIRCULAR CONSTRUCTION der Architekturgalerie München basiert auf den Inhalten der Ausstellung „Material Loops”, die das HDA Graz 2021 kuratiert und gezeigt hat, und ergänzt sie durch Münchner und neue deutsche Projekte, sowie Studien der Technischen Universität München und der Hochschule München. In Plänen, Fotos, Modellen und Videos stellt CIRCULAR CONSTRUCTON gebaute Beispiele von stofflichen Systemkreisläufen vor, die durch ihren zirkulären, ressourcenschonenden Ansatz, ihre Entstehung aus wiederverwendeten Materialien und gleichzeitig durch ihre hohe gestalterische Qualität überzeugen.