Architecture Exhibitions International

Georg Kolbe Museum Berlin

Moderne und Refugium
Georg Kolbes Sensburg als Architekturdenkmal der 1920er-Jahre

Sep 13, 2020–Jan 10, 2021
Wohn- und Atelierhaus Georg Kolbes vor 1930, Bildarchiv Georg Kolbe Museum

In den späten 1920er-Jahren, der Bauzeit seines großzügigen Atelierhauses im Berliner Westend, befand sich der Bildhauer Georg Kolbe auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Erfolgs. Vertreten von den großen Galerien Cassirer und Flechtheim hatte er Käufer in der ganzen Welt und war in Berliner Künstlerkreisen bestens vernetzt. Nach dem frühen, unerwarteten Tod seiner Frau Benjamine sehnte er sich jedoch nach einem Rückzugs- und Schaffensort unweit ihres Grabes. So entstand die „Sensburg“, benannt nach ihrem Standort in der Sensburger Allee. Stadtnah und zugleich am Rande des Grunewalds gelegen, sollte sie Kolbes Idealvorstellung eines fruchtbaren Zusammenspiels von Kunst, Natur und Architektur in bauliche Formen überführen.

Mit der sachlichen Baukunst seiner Zeit verband den Bildhauer eine enge Beziehung. Im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit Architekten wie Ludwig Mies van der Rohe, Bruno Taut, Hans Poelzig und Walter Gropius hatte er aktiv Anteil am Diskurs um die Weiterentwicklung des Neuen Bauens genommen. In Kolbes eigenem maßgeschneiderten Gebäudeensemble, für dessen Realisierung er zunächst den Schweizer Architekten Ernst Rentsch, später den Bauhausschüler Paul Linder gewann, spiegelt sich seine intensive Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Skulptur und Raum.

Vor genau 70 Jahren wurde Kolbes Künstleratelier der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – als erstes nach dem Krieg neugegründetes Museum und einziges Berliner Künstlerhaus aus den 1920er-Jahren, dessen ursprüngliche Funktion sicht- und fühlbar geblieben ist. Bis heute strahlt der kubische Backsteinbau samt Skulpturengarten den modernen Geist seiner Entstehungszeit aus.

Die Ausstellung portraitiert die „Sensburg“ im Spiegel ihrer reichen Geschichte. Von ersten Entwurfszeichnungen über die Bauphase bis hin zur privaten und schließlich öffentlichen Nutzung versammelt sie eine Vielzahl mitunter ungesehener Zeitdokumente, unter anderem solche aus dem Nachlass von Georg Kolbes Enkelin, der erst in diesem Jahr nach Berlin kam und aktuell im Museum erschlossen wird.