Architecture Exhibitions International

SCHAUSTELLE – Pinakothek der Moderne Munich

© Schaustelle München, Foto: Rainer Viertlböck

Der temporäre Pavillon auf der Südostecke der Pinakothek der Moderne nach dem Entwurf von Jürgen Mayer H. ist eine hohe und in Teilen frei auskragende Rasterstruktur aus wiederverwertbaren Gerüstelementen (Innenraum ca. 250 qm, Terrasse im ersten Obergeschoss ca. 150 qm und Aussichtsplattform in 17 Metern Höhe). Die Mehrzahl der Bauelemente, also auch die Funktionscontainer im Erdgeschoss und die Fassadenverkleidung aus Kunststoff können nach dem Ende der Schaustelle weitere Verwendung finden und in den Baukreislauf zurückgeführt werden. Damit wird die Produktion von Wegwerfleistungen auf ein Minimum reduziert. Dieses Konzept der Angemessenheit, Flexibilität und Reduktion auf einfachste Mittel steht programmatisch für die SCHAUSTELLE als Ganzes. Temporäre Ausstellungshäuser finden sich heute an vielen Orten: der alljährlich wechselnde Pavillon der Serpentine Gallery in London, aber auch der Aue Pavillon für die Documenta in Kassel von Lacaton & Vassal oder die Temporäre Kunsthalle auf dem Schlossplatz in Berlin von Adolf Krischanitz sind international bekannt und gehen meist auf die Initiativen von Kunstvereinen und anderen privaten Trägern zurück. Dass sich aber staatliche Museen temporären Ausstellungskonzepten im Außenraum widmen, ist bislang ungewöhnlich.
Für Berlin konzipiert – in München umgesetzt: Die konstruktiv und statisch anspruchsvolle Gerüststruktur der SCHAUSTELLE von Jürgen Mayer H. war ursprünglich für eine temporäre Kunsthalle am Berliner Humboldthafen inmitten eines Wohn- und Geschäftsviertels geplant und sollte neben dem kulturellen Zugewinn auch die generelle Attraktivität des Viertels stärken. Keines der über zwanzig eingereichten Projekte kam zur Ausführung. Auch deswegen, weil die inhaltliche Ausrichtung, der vorgesehenen “Leistungsschau junger Kunst aus Berlin” zu Protesten und Boykottaufrufen seitens der Künstlerszene führte. Gerade das will die SCHAUSTELLE nicht sein: ein Abbild des künstlerischen oder architektonischen Produktionsstandortes, sondern vielmehr ein offenes Forum für grenzüberschreitende Fragestellungen, die das Spektrum der Aufgaben und Möglichkeiten des Museums des 21. Jahrhunderts aus neuen Blickpunkten beleuchten.