Architecture Exhibitions International

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Collegium Helveticum Semper-Sternwarte Zurich

Wired Nation
Landschaft, Architektur, Infrastuktur

Oct 30–Dec 12, 2020
Bild: Arazebra/Andrea Helbling, © Collegium Helveticum

Sondierungen im Fundament einer vernetzten Nation

Fragen der Privatsphäre, der nationalen Interessen und der technologischen Souveränität bestimmen zunehmend die Art und Weise, wie wir über das «Digitale» nachdenken. Die Ausstellung «Wired Nation – Landschaft, Architektur, Infrastruktur» befragt die materiellen Umwelten der elektronischen Apparaturen und thematisiert die Zusammenhänge zwischen der Zentralisierung und Vernetzung des digitalen Rechnens, Speicherns, Übertragens, Löschens sowie ihrer lokalen Verankerung. Dabei werden auch die Wechselfälle von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit digitaler Prozesse und Infrastrukturen erkundet, die hinter den Oberflächen der Bildschirme als gebautes und organisiertes System verborgen sind. Die Ausstellung zeigt uns, wo die stromfressenden Rechenmaschinen aufgestellt sind und leistet so einen Beitrag zur Erkennung der materiellen Basis digitaler Prozesse. Anhand von gegenwärtigen und historischen Fallbeispielen thematisiert sie die Organisation, Steuerung und Bewirtschaftung von Prozessen und Tätigkeiten der digitalen Wirtschaft und vermittelt einen Eindruck davon, wie lokale, regionale und globale Interessen der digitalen Schweiz miteinander verflochten sind.

Am Beispiel der Schweiz unternimmt die Ausstellung exemplarische Sondierungen im Fundament einer vernetzten Nation. Den Ausgangspunkt dafür bildet ein von Wissenschaftler*innen und Künstler*innen gemeinsam durchgeführtes Forschungsprojekt am Collegium Helveticum, einem transdisziplinären Institut der ETH Zürich, der Universität Zürich sowie der Zürcher Hochschule der Künste. Anhand von Fallbeispielen präsentiert die Ausstellung anschaulich die Ergebnisse kulturwissenschaftlicher, historischer und ökonomischer Recherchen. Fotografinnen und Fotografen wie Andrea Helbling, Marc Latzel und Yann Mingard geben mit Bildbeiträgen Einblicke in die verborgenen Räume von Datenzentren und in Unternehmen, die Komponenten des Netzes produzieren. Eine Umfrage der ETH Zürich lässt erkennen, was die Bevölkerung heute über die digitale Infrastruktur weiss. Akteure und Protagonistinnen aus Forschung und Wirtschaft sprechen in eigens für die Ausstellung aufgezeichneten Interviews über die Anfänge sowie über die aktuelle Problematik der digitalen Schweiz. Der Künstler Hannes Rickli macht mit seiner Installation «Kaltgang» die Architektur in Rechenzentren erlebbar. Der Medienkünstler Vladan Joler ist neben seiner bekannten Arbeit «Anatomy of an AI System» mit seiner neuesten Arbeit «New Extractivism» vertreten, welche die digitale Infrastruktur kritisch beleuchtet.

Die Ausstellung «Wired Nation – Landschaft, Architektur, Infrastruktur» hinterfragt somit jene Kräfte, die an der Produktion, Instandhaltung und Einhegung von digitalen Infrastrukturen beteiligt sind. Hinter dem offiziellen Narrativ eines gemässigten alpinen Klimas, des vergleichsweise «grünen» Energiemix und einer langjährigen politischen Stabilität legt sie eine Reihe von widersprüchlichen Dynamiken offen, die in dieser verkabelten Nation wirken.

Mit Beiträgen von Andrea Helbling (Zürich), Vladan Joler (Novi Sad), Marc Latzel (Zürich), Yann Mingard (Colombier) und Hannes Rickli (Zürich).