The Century of Gehry
Frank Gehry (1929–2025) gilt weltweit als einer der großen Meister der zeitgenössischen Architektur. Seine Fähigkeit, alltägliche Gegebenheiten in Gelegenheiten der Zusammengehörigkeit zu verwandeln – wobei selbst Übergangsräume als eine einheitliche Sprache der Bewegung und Emotion interpretiert werden können –, greift den Geist jedes Ortes und die Skyline jeder Stadt auf und bewirkt zugleich einige der tiefgreifendsten Paradigmenwechsel des 20. und 21. Jahrhunderts.
In acht thematischen Kapiteln zeichnen neunzehn Projekte das Wechselspiel von Instinkt und Intellekt in Gehrys Schaffensprozess nach: von der rebellischen Intimität seines Hauses in Santa Monica bis zur urbanen Choreografie der Loyola Law School, von der fragmentierten Monumentalität der Chiat/Day-Büros bis zu den Titanwellen des Guggenheim Bilbao und den musikalischen Segeln der Walt Disney Concert Hall. Durch Skizzen und Modelle laufender oder nicht realisierter Träume erscheint Architektur als lebender Organismus – so pragmatisch und chimärenhaft wie jeder Mensch, voller Erfindungsreichtum und ausdrucksstarker Poesie.
Die Ausstellung beleuchtet zudem Gehrys langjährigen Dialog mit Künstlern und Architektenkollegen, insbesondere mit Álvaro Siza, mit dem er am Masterplan für das ArtCenter College of Design in Pasadena zusammenarbeitete und dessen Freundschaft zu zahlreichen Austauschprojekten zwischen den Vereinigten Staaten und Portugal führte. Von Los Angeles bis Berlin, von Paris bis New York, von Sydney bis Toronto zeigen die ausgewählten Werke einen Künstler, der die Grenzen zwischen Skulptur und Architektur, Schwerkraft und Fluidität, Erinnerung und Zukunft. Dies ist keine Retrospektive; es ist eine Hommage an die Freiheit, die Vorstellungskraft und den Mut, die Welt seit fast einem Jahrhundert immer wieder neu zu sehen.
