Urban Natures

Eine technologische und politische Geschichte 1600–2030
Adresse
48 Quincy Street, Cambridge MA 02138

Seit mehr als drei Jahrhunderten beschäftigen wir uns mit der Rolle der Natur in der Stadtentwicklung. Von den ersten Gärten, die im späten 17. Jahrhundert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, wie den Tuileriengärten in Paris oder dem Hyde Park in London, bis hin zu unseren heutigen Stadtwäldern ist der Umgang von Architekten, Ingenieuren, Landschaftsarchitekten und ihren Auftraggebern mit der Natur untrennbar mit technischen Herausforderungen sowie politischen und sozialen Anliegen verbunden.

Die technischen Aspekte reichen von der Bodenvorbereitung und Wasserwirtschaft bis hin zur Organisation des Zusammenlebens von Natur und Mensch. Diese Aufgaben sind mit dem Klimawandel und der daraus resultierenden Notwendigkeit, katastrophale Auswirkungen wie städtische Wärmeinseln, die weite Teile urbaner Gebiete unbewohnbar machen, zu verhindern, immer dringlicher geworden.

Seit der Aufklärung ist die Präsenz der Natur untrennbar mit hygienischen Anliegen sowie dem Wunsch verbunden, das Zusammenleben der Menschen in einer von wirtschaftlicher Ungleichheit und sozialer Spaltung bedrohten Gesellschaft zu fördern. Dieser Anspruch prägt die Landschaftspolitik, die die Umgestaltung von Paris unter Baron Haussmann und die Schaffung des New Yorker Central Parks prägte. Vom 18. Jahrhundert bis heute ist die Geschichte der Natur in der Stadt somit Hand in Hand mit den unterschiedlichsten Visionen gesellschaftlicher Funktionsweise gegangen.

Diese Geschichte offenbart eine Vielfalt an Bestrebungen, Projekten und Praktiken, die sich nur schwer auf ein Leitmotiv reduzieren lassen: daher die Verwendung des Plurals im Titel „Urban Natures“. Die Ausstellung ermöglicht es den Besuchern zu entdecken, wie die Bedeutung der städtischen Natur im Laufe der Jahrhunderte zugenommen hat. Mit der aktuellen Umweltkrise hat sie eine neue Ebene erreicht. Die Lösung liegt in der Schaffung neuer Verbindungen zwischen Menschen und allen nicht-menschlichen Entitäten, von denen unser Überleben abhängt: vom Boden bis zu den Wasserressourcen und von der Vegetation bis zu den Tierpopulationen. Die Verbreitung von Gemeinschaftsgärten und urbaner Landwirtschaft spiegelt dieses wachsende Bewusstsein wider.

Die Untersuchung der städtischen Natur misst, wie weit wir seit der Entstehung der ersten öffentlichen Gärten gekommen sind, und fordert uns auf, die Zukunft unserer Städte auf innovative Weise zu visualisieren.