22.10.2022–4.2.2023

Wir Günther Domenig

Adresse
Wr. Str. 56, Mürzzuschlag Map
Öffnungszeiten
Do-Sa 10-18.00 Uhr, So 10-16.00 Uhr

Das Wort ‚Wir’ existierte im Sprachgebrauch von Günther Domenig nicht. Der von Günther Domenig inszenierten Figur des kompromisslosen, geradezu besessenen Einzelkämpfers, der seine Ideen ganz allein und nur aus eigener Kraft und allen Widrigkeiten zum Trotz durchzusetzen imstande war – wie der Held im Film „The Fountainhead“ aus 1949 – soll in dieser Ausstellung einen andere Erzählung entgegengesetzt werden.

Seinem langjährigen Partner Eilfried Huth zufolge, waren Domenig und Huth keineswegs ‚Opfer’, sondern wurden im Gegenteil auf vielfache Weise protegiert: In ihren gemeinsamen Projekten aber ebenso nach ihrer schmerzhaften Trennung konnte sich Günther Domenig auf ein Netzwerk aus Unterstützer*innen und Ermöglicher*innen (Beamt*innen, Bauherr*innen, Baumeister*innen, Sammler*innen), Kommunikator*innen (Kritiker*innen, Autor*innen, Kurator*innen), vor allem aber auch Partner*innen und Mitarbeiter*innen im Architektur-Büro stützen (von denen er sich allerdings gerne im Streit getrennt hat). Zudem bot ihm die Professur am Institut für Gebäudelehre (und Wohnbau) an der TU Graz finanzielle Absicherung, Selbstbestätigung und sozialen Status, ein Forschungslabor und nicht zuletzt direkten Zugriff auf die talentiertesten Studierenden als potentielle Mitarbeiter*innen.

Nachdem Günther Domenig – wie viele seiner Generation – die Komplexheit der Genese der Projekte im Dialog mit Auftraggeber*innen und die vielfältigen externen Einflussfaktoren auf seine Entwürfe nicht benennen wollte, soll diese Spurensicherung nicht allein durch seine eigenen Aussagen (oder durch Interpretationen von Theoretiker*innen) belegt werden, sondern durch Interviews, in der eine Vielzahl an Menschen mit verschiedenen Funktionen, aus verschiedenen sozialen Milieus und Generationen zu Wort kommen, die zur Umsetzung der Projekte maßgeblich beigetragen oder diese überhaupt erst ermöglicht haben – und die umgekehrt wiederum von Günther Domenigs Arbeit inspiriert worden sind.